Mitgliedervollversammlung 2019

Vilshofen

„Respekt: Asylarbeit funktioniert bei uns hervorragend“

Vollgepackte Rechenschaftsberichte bei AVA-Mitgliederversammlung – Lob von Vilshofens Bürgermeister Florian Gams

Friederike Gabriel 
Vilshofen. Der Arbeitskreis Vilshofener Asylbewerber hat seine Vorstandschaft neu gewählt. Im Wesentlichen bleiben die Köpfe an der Spitze des Vereins gleich: Den Vorsitz hat wie bisher Eva Felscher, neu ist ihr Stellvertreter Wolfram Plischke. Dieses Amt war seit 2016 vakant gewesen. Kassier Godehard Limmer wurde bei der Mitglieder-Vollversammlung im Rathaussaal in seinem Amt bestätigt. Die Schriftführung bleibt bei Alexander Schlierf. Zu Beisitzern wurden Halo Saibold, Winfried Bergmann und neu Mais Hatahet ernannt, die Kasse prüfen weiterhin Karl-Heinz Mösche und Sieglinde Albert.

Zu Beginn der Versammlung hatte Vorsitzende Eva Felscher ihren Rechenschaftsbericht abgelegt. Die Liste der Aktivitäten im Verein ist lang. Sie reicht von den Angeboten Kleiderkammer, Möbellager, Verkauf gebrauchter Fahrräder und dem Treffpunkt Café Welcome über Projekte wie Nähen samt Erwerb eines Nähscheins, Sanierung des Spielplatzes der Gemeinschaftsunterkunft (GU) und Vorträgen zu den Themen Genitalverstümmelung und Aids bis hin zu Aktionen wie Weihnachtsfeier, Teilnahme bei „Engel der Kulturen“, Knorr-Bremse-Wunschbaum-Aktion und Stadtfest. Einer der Höhepunkte war dabei der Schiffsausflug zum „Haus am Strom“ in Jochenstein. Geplant sind heuer unter anderem noch die Teilnahme am interkulturellen Fußballturnier, ein Besuch im Ortenburger Weiherhaus-Theater sowie der Besuch des FC Bayern-Freundschaftsspiels und die Teilnahme am Volksfestumzug.

Jan-Erik Teder, Ehrenamtskoordinator des Landkreises, bot an, den Kontakt zur „Refugee Law Clinic“ herzustellen: Passauer Studenten beraten Flüchtlinge unentgeltlich in Asylrechtsfragen. Wolfram Plischke schlug vor, dass dies alle ein bis zwei Wochen im „Café Welcome“ stattfindet.

In der GU leben derzeit rund 80 Flüchtlinge, erfuhr Halo Saibold auf Nachfrage von GU-Leiter Franz Stephan. Diskutiert wurde, ob und welche Sitzgelegenheiten auf dem GU-Spielplatz aufgestellt werden sollen. Der AVA habe die Sprechstunden in der GU inzwischen eingestellt, informierte Vorsitzende Eva Felscher, „weil keiner kommt“. Rat und Hilfe gebe es aber auch im Café Welcome, bat sie den Heimleiter weiterzugeben.

Godehard Limmer, der zuvor einen ausführlichen Kassenbericht vorgelegt hatte, beantragte, dass der AVA-Vorstand bei finanziellen Engpässen von Asylbewerbern Darlehen von bis zu 500 Euro gewähren kann. Bei zwei Enthaltungen beschloss die Versammlung, dass solche Darlehen nur nach einstimmigem Vorstandsbeschluss gegeben werden, die Summe der Ausstände wurde auf 1000 Euro gedeckelt. Um den Rückfluss des Geldes habe sich derjenige zu kümmern, der das Darlehen „eingefädelt“ hat.

Ebenfalls auf Limmers Antrag hin wurde – wieder bei zwei Enthaltungen – festgelegt, dass in Sachen Geburts-Geschenk jedes Flüchtlingskind gleich behandelt wird: Christenkinder sollten nicht über zusätzlich finanzierte Tauffeiern bevorzugt werden, hieß es. Der Geschenkwert wurde auf 50 Euro festgelegt.

Zum Dritten wollte Godehard Limmer festgehalten haben, dass die Kosten für Ausflüge und dergleichen sich an den Einnahmen aus der Kleiderkammer orientieren sollten. Damit waren alle in der Runde einverstanden. 1900 Euro hatte das Kleiderkammer-Team letztes Jahr eingenommen, heuer waren es bis April 650 Euro, berichtete der Kassier.

Aus den Berichten der einzelnen Helferkreise war zu entnehmen, wie viel vor Ort geleistet wird.

92 Migranten, darunter 44 Kinder, werden von 14 Helfern – darunter drei neue – betreut, berichtete Herrmann Weiß aus Aidenbach. Neu sei eine Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst, der ein Büro für täglich zwei Sprechstunden und eine Kleiderkammer kostenlos zur Verfügung stelle. Geplant seien Deutsch-Konversationskurse, die auch die Frauen ansprechen sollen.

In Eging wird bereits ein – niederschwelliger – Deutschkurs angeboten, hier ausschließlich für Frauen und deren Kinder, so Ulrike Lau-Hartl. Im Helferkreis sei man nur noch zu zweit, „alle anderen sind ausgebrannt“.

Um die 30 Aktive hat laut Eva Felscher der Vilshofener Helferkreis. Wolfram Plischke berichtete von Aktionen im Café Welcome wie Basteln für den Christkindlmarkt oder Frühlingsfest. Leider gebe es kaum Besuch von der örtlichen Bevölkerung. Weitere traurige Nachricht: „Deutschland hilft“ werde seine Förderung Ende September einstellen. Das Möbellager werde kaum noch frequentiert, so Plischke weiter: „Was soll daraus werden?“ Gegebenenfalls müsse man die Altbestände entsorgen, fand Eva Felscher.

„Respekt“, lobte Bürgermeister Florian Gams die Versammlung, „bei uns funktioniert die Asylarbeit hervorragend.“ Deutlich gemacht wurde an diesem Abend von den AVA-Helfern aber auch, dass man sich mehr Unterstützung von Landkreisseite wünscht: „Die ehrenamtlichen Helfer werden weniger“, gab Eva Felscher zu bedenken, „wir brauchen mehr professionelles Personal.“ Halo Saibold forderte zudem, dass der Landkreis ein Integrationskonzept erstellen soll. Diese Forderung soll beim nächsten AVA-Arbeitstreffen schriftlich formuliert werden.